Glücksmomente 05/26: Farbe. Frühlingsbaum. Freie Fahrt.
Mein erster E-Bike-Moment
Ich werde alt. Man merkt es daran, dass ich große Kaufentscheidungen inzwischen immer mit Weitsicht treffe und stets mit dem Gedanken im Hinterkopf: „Was mache ich, wenn ich mal nicht mehr so mobil bin, mich nicht mehr so bewegen kann?“ Genau deshalb habe ich mir im Herbst ein E-Bike gegönnt.
Allerdings bin ich – ehrlich gesagt – eine typische Schönwetter-Fahrradfahrerin. Seit ich das E-Bike habe, bin ich noch kein einziges Mal richtig damit gefahren (außer im Fahrradladen zum Ausprobieren, und einmal, um es vom Wohnzimmer in den Flur zu schieben): zu nass, zu windig, zu kalt, zu „nee, nicht heute“.
Aber heute war es so weit. Kein Schnee, kein Regen, kein Bodenfrost, kein Vollmond, kein Siebenschläfer, keine Sommersonnenwende – und ich hatte keine Ausrede mehr, mein Fahrrad zu schonen. Also holte ich es aus der Garage. Wir – mein Mann und ich – machten eine ausgedehnte Ausfahrt über die Felder. Die Sonne schien, der Himmel war blau, und ich saß auf meinem E-Bike und fühlte mich plötzlich wieder wie ein Kind auf dem ersten eigenen Rad. Ich musste nicht kämpfen, zum Glück nicht schwitzen und konnte einfach fahren. Und am meisten habe ich mich darüber gefreut, dass ich mit meinem schönen neuen Fahrrad nicht durch Pfützen fahren musste.
Manchmal reicht es schon, die Sonne im Gesicht zu spüren und den Wind genießen zu können. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit (erst recht nicht mit zunehmendem Alter ;-)).
Vorher
Viel zu viele Shades of Grey
Seht ihr das Bild hier oben? Die Mauer. Schaut bitte mal genau hin: Welche Farbe haben die Steine? Grau? Anthrazit? Dunkelblau? Ich sage ganz klar: dunkelblau, fast schon petrolfarben. „Anthrazit“, behauptet mein Mann steif und fest. „Steht schließlich auf dem Farbeimer.“ Diskussion für ihn beendet. Er gehört zu den Menschen, die an das glauben, was in fachlichen Texten offiziell geschrieben steht. Anleitungen werden gelesen, Begriffe auf Schildern ernst genommen, und wenn auf einem Farbeimer „Anthrazit“ steht, dann ist das auch so. Punkt. Für mich übrigens nicht. Ich liebe Texte und weiß, dass da manchmal zwischen den Zeilen etwas ganz anderes steckt.
Diese Mauer auf dem Bild oben war mal rosé. Also wirklich rosa. Passend zu den Steinen von Einfahrt, Terrasse und Sockel – ringsherum alles schön abgestimmt. Ich hingegen mag Anthrazit, also Anthrazit wie Dunkelgrau (nicht wie Dunkelblau). Also habe ich – wie so oft – beschlossen, das Problem mit Farbe zu lösen. Sockelfarbe in Anthrazit: Das klang gut und sah im Eimer auch gut aus. Ich strich den Sockel ums Haus, dann die Blumenkübel, die Bänke und schließlich ganz konsequent auch die Mauer rund um die Terrasse. Und dann trat ich einen Schritt zurück, um mein Werk in Ruhe zu betrachten, und stutzte. Das war meiner Meinung nach dunkelblau, nicht anthrazit, und passte somit so gar nicht zu dem Konzept, das ich im Kopf hatte.
Ich habe einen ganzen Winter lang auf diese dunkelblaue Mauer geschaut und versucht, mich daran zu gewöhnen. Habe mir eingeredet, dass es vielleicht doch grau ist. Je nach Licht. Wenn man nicht so genau hinschaut. Oder sich die Augen zuhält. Oder halt im Dunkeln.
Hat nicht funktioniert.
Diese Woche habe ich mir dann einen neuen Farbeimer gekauft. Diesmal stand „Schiefer“ drauf. Ich dachte an diese alten Tafeln aus der Schule – schön dunkel, fast schwarz. Also wieder das gleiche Spiel: Ich strich mit der Rolle grob vor, mein Mann mit dem Pinsel fein nach. Und dann trat ich wieder einen Schritt zurück. Und diesmal war’s anders. Nicht Schwarz. Auch nicht „Schiefer“, wie bezeichnet. Aber genau dieses dunkle Grau, das ich von Anfang an im Kopf hatte. Anthrazit.
Ich lieb`s. Mein Mann selbstverständlich auch.
Nachher
Ein Baum als Türsteher
Ich habe mir diese Woche einen Wunsch erfüllt. Einen, der schon seit Herbst auf meiner Shoppingliste stand, und den ich mir bewusst für die Pflanzzeit jetzt im Frühling aufgehoben hatte. Direkt neben unserem Hauseingang, hinter der Glasscheibe als Windfang, hat mir etwas Besonderes gefehlt. Anstelle der vorherigen Bauernhortensie, die ich inzwischen zu einer ganzen Gruppe gesetzt habe, wollte ich etwas, das uns und unsere Gäste begrüßt. Ein Mandelbäumchen, Fächer- oder Kugelahorn vielleicht. Irgendein freundlicher Türsteher, ein kleines Empfangskomitee, das nicht zu viel Platz einnimmt, aber trotzdem beim Vorbeigehen stillschweigend „Hallo“ sagt.
Also habe ich im Gartencenter gesucht und gesucht und sie schließlich auch gefunden: eine Japanische Zierkirsche, die üppig blüht, säulenförmig wächst und gleichzeitig leicht wirkt. Jetzt steht sie da. Noch eher unscheinbar, aber genau deshalb mag ich sie schon jetzt, weil ich weiß, dass sie mir und unseren Besuchern mit ihren rosafarbenen Blüten als täglicher Augenblick der Freude noch viele kleine Glücksmomente bescheren wird.
Infos zur Japanische Säulenkirsche 🌿
- Blütezeit: Frühling (meist April–Mai) mit zarten rosa Blüten
- Wuchsform: Schlank, aufrecht – ideal für kleine Gärten oder Eingangsbereiche
- Größe: Ca. 3–6 m hoch, aber nur 1–2 m breit
- Standort: Sonnig bis halbschattig
- Pflege: Pflegeleicht, normaler Gartenboden reicht völlig aus
- Ökologisch wertvoll: Beliebt bei Bienen und anderen Insekten
- Herbst: Oft schöne gelb-orange Laubfärbung
- Besonderheit: Perfekt als „Willkommensbaum“ direkt am Haus – wirkt elegant und ruhig
Macht es euch schön!
Herzliche Grüße
Sarah
Weitere Glücksmomente findet ihr hier: Glücksmomente: Mini-Freude – große Wirkung-Archiv – Living Letter
* Dieser Beitrag enthält unbezahlte und unbeauftragte Werbung, da ich die Pflanze und das Fahrrad aus eigener Überzeugung und ohne Gegenleistung zeige bzw. erwähne.
