DIY: Ein Aussichtsturm für Fische im Teich – unsere Anleitung
Ein Aussichtsturm für Goldfische: Als ich das erste Mal im Internet über eine derartige Konstruktion gestolpert bin, war ich erst überrascht, dann skeptisch, gleich darauf fasziniert, einen Moment später äußerst misstrauisch – und schließlich hin und weg. Das Wechselbad – oder besser: der Wechselteich – der Gefühle dauerte bei mir knapp zwei Minuten und schon stand ich wild gestikulierend neben meinem Mann an unserem Gartenteich und versuchte ihn, wie so oft, ebenfalls von dieser leicht verrückten Idee zu überzeugen.
Ein Glas im Teich, in das unsere 87 Fische hineinschwimmen, um sich die Welt von oben anzusehen – das klang ein bisschen absurd und gleichzeitig so charmant, dass wir ziemlich schnell wussten: Dieses spezielle DIY „Aussichtsturm für Fische im Teich“, so unser Arbeitstitel für Projekt Nr. 587.934, möchten wir ausprobieren. Ich hätte einen ähnlichen Turm einfach online bestellen können – aber wir machen halt immer und immer wieder (fast) alles selbst.
Glasvase und Abflussrohre als Basis
Wie an fast jedem Wochenende führte unser Weg also zunächst direkt in den Baumarkt. Ohne festen Plan, eher mit einer vagen Vorstellung in meinem Kopf und der leisen Hoffnung meines Mannes, dass sich der Rest wie immer schon irgendwie ergeben würde – oder besser noch: überhaupt nicht funktioniert.
In der Deko-Abteilung stand dann zufällig diese schlichte, zylindrische Glasvase: ungefähr 80 Zentimeter hoch und auf den ersten Blick stabil genug, um nicht sofort beim ersten Windhauch umzukippen. Deutlich mehr Kopfzerbrechen bereitete uns die Konstruktion darunter, die unter der Wasseroberfläche kaum zu sehen ist, aber den Glaszylinder trägt. Wir fanden klassische Abflussrohre mit zwei Öffnungen: Durch eine seitliche Öffnung können die Fische unter Wasser in das Rohr hineinschwimmen und dann im Inneren durch das Loch oben direkt in den Glaszylinder (alias Vase) gelangen.
Der entscheidende Punkt war schließlich der Übergang zwischen Rohr und Glas. Die Vase einfach auf ein rundes Rohr zu setzen, funktioniert zwar theoretisch, ist in der Praxis aber viel zu wackelig, um dauerhaft im Teich zu stehen. Also haben wir uns in der Rohr-Abteilung weiter umgeschaut – und ein Verbindungselement gefunden, das eigentlich für ganz andere Zwecke gedacht ist. Dieses Teil hat oben einen leicht breiteren, quadratischen Rand, der als Zwischenstück, auf dem die Vase sitzt, eine deutlich bessere Auflagefläche bietet als das reine Rohr. Genau dieser kleine „Kranz“ macht am Ende den Unterschied. Er sitzt passgenau auf dem Abflussrohr und gibt der Glasvase – ohne Kleben, ohne Bohren – die Stabilität, die sie braucht, um sicher im Teich zu stehen.
Das braucht ihr für den Fischturm im Teich
- eine große, stabile Glasvase (ca. 70–80 cm Höhe, zylindrisch)
- ein Abflussrohr mit seitlicher Öffnung als Basis
- ein passendes Verbindungsstück aus der Rohr-Abteilung (mit breiter, stabiler Auflagefläche für das Glas)
- einen möglichst ebenen Platz im Teich
- ein bisschen Geduld und Gummistiefel
Der Aufbau Schritt für Schritt
Mit beiden Füßen in Gummistiefeln im Wasser stehend, haben wir den Aufbau dann Schritt für Schritt umgesetzt:
- Wir platzierten das Kanalrohr mit den beiden Öffnungen auf einer möglichst ebenen Stelle im Teich, so, dass es sicher stand und nicht schon beim kleinsten Wasserzug ins Wanken geriet.
- Darauf kam dann das Verbindungsstück mit dem breiteren quadratischen Rand.
- Alles wurde noch einmal unter Wasser ausgerichtet, geprüft, ein bisschen hin- und hergeschoben, bis wir das Gefühl hatten, dass es wirklich stabil genug ist, um den nächsten Schritt zu wagen.
- Dann kam der physikalische Teil: Die Vase wurde unter der Teichoberfläche komplett mit Wasser gefüllt – wirklich bis oben hin – dabei einmal gedreht, sodass die Öffnung nach unten zeigte, und dann weiterhin unter Wasser vorsichtig auf die Konstruktion gesetzt.
Naturgesetz blabla...
Ich habe mir von meinem Mann für euch mehrfach geduldig erklären lassen, warum das mit dem Wasser im Glas funktioniert, habe bei seiner Übersetzung des Naturgesetzes in meine Alltagssprache etwas von Druckverhältnissen und eingeschlossener Luft verstanden, irgendetwas mit Wasser, das nicht einfach „rausfallen“ kann, weil kein Platz für Luft entsteht, und einem Gleichgewicht, das sich unter Wasser ganz anders verhält als über der Oberfläche blabla ;-), und mich dann entschieden, dass es völlig in Ordnung ist, nicht jedes physikalische Detail bis ins Letzte zu durchdringen, solange das Prinzip am Ende einfach funktioniert, weil… es halt einfach irgendwie funktioniert.
Die kleinen Mutigen
Die ersten Stunden passierte dann – nichts. Die Fische zogen ihre gewohnten Bahnen, der Schwarm blieb beisammen, alles wie immer. Und dann, irgendwann, löste sich einer. Ganz vorsichtig verschwand der kleine Fisch im Rohr und tauchte wenig später oben im Glas auf.
Es sind diese kleinen Mutigen, die man überall im Leben findet. Die nicht immer mit dem Schwarm schwimmen und warten, bis jemand anders vorgeht, sondern sich ganz allein auf den Weg machen und versuchen, über den Teichrand zu blicken, auch wenn sie nicht wissen, was sie außerhalb ihrer Komfortzone erwartet.
In den Tagen danach wurden es mehr: mal ein, mal zwei Fische, die den Aussichtsturm für sich entdeckten und dafür mit dem exklusiven Blick in unseren Garten und somit auf das Festland belohnt wurden.
Lieblingsort für Fisch, Frosch & Kater
Die Fische und wir sind nicht die Einzigen geblieben, die Gefallen an dem neuen DIY-Aussichtsturm gefunden haben: Unser Kater Carlo hat seinen Lieblingsplatz inzwischen auf den Steg verlegt und beobachtet gebannt, wie die Fische hinter Glas auf Augenhöhe an ihm vorbeiziehen. Und dann war da noch der Frosch, der sich in den Turm verirrt hat. Er ist hineingeschwommen, hat kurz innegehalten und durch das Glas geschaut, als müsste er sich erst selbst orientieren, und ist dann genauso schnell verschwunden, wie er gekommen ist.
Seitdem steht der Turm einfach da, mitten im Teich. Jedes Mal, wenn wir vorbeigehen, schauen wir, ob sich nicht gerade wieder einer der kleinen Mutigen auf den Weg nach oben macht. Aus einer eher verrückten Idee ist ein Lieblingsort geworden: für die Fische, den Frosch, unseren Kater Carlo und auch für uns.
Macht es euch schön!
Herzliche Grüße
Sarah
