Mit wütendem Spaten durch unseren Garten

Immer, wenn ich mich ärgere, gehe ich in den Garten. Das vier Meter lange Beet voller Schneeballhortensien vor unserer Haustür? Entstand nach einer unverschämten E-Mail eines Kunden. Die dichte Himbeerhecke neben dem Gartenhaus? Das Ergebnis meiner letzten Gehaltsverhandlung, die ausschließlich nach den Wünschen meines Arbeitgebers verlief. Das kunstvolle Arrangement aus Stauden vor der Terrasse? Bilanz unseres Steuerbescheids zugunsten des Finanzamtes. Unser Erdbeer-Hochbeet: Resultat eines unangebrachten Knöllchens fürs Falschparken – oder war es das abgesagte Konzert? 

Dicke Luft drinnen tauschte ich regelmäßig gegen frische Luft draußen. Erst laut, dann immer leiser fluchend in Gummistiefeln durch die Rabatte stapfend, abwechselnd Spaten und Rechen schwingend, regte ich mich auf – und Harke für Harke wieder ab. Mit wütendem Spaten kämpfte ich mich durch den Garten. Und so wurde innerhalb von zehn Jahren aus unserem zunächst tristen Reihenendhausgarten ein üppig blühendes Paradies. Doch eines Tages waren die Kapazitäten unseres damaligen Gartens erschöpft… . Der Garten war ausgereizt. Ich nicht.

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Zwischen Hortensien, Himbeeren und Hochbeet

Bis zu viermal hatte ich so manches Beet bereits umgegraben und frisch angelegt, das Gartenhaus mehrfach umgestaltet, den Zaun erst dunkelbraun, dann anthrazitfarben gestrichen. Eines Abends stand ich zwischen Hortensien, Himbeeren und Hochbeet und stellte fest: Ich war ausgeglichen. Verdächtig ausgeglichen. Das war`s. Offenbar hatte ich mich freigeschaufelt. Wenn das Leben mir weiterhin Steine in den Weg legen wollte, brauchte ich entweder viele Snickers oder Platz. Viel Platz. Für Beete und für zukünftige Wut-Wacholder, Frust-Flieder und Rache-Rhododendren. 

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Gesucht: großer Garten mit einem Haus darin

Weil mein Mann das zu seinem Glück genauso sah, war einer der wichtigsten Parameter bei unserer Haussuche vor drei Jahren: ein möglichst großer, ebenerdiger Garten mit viel Rasen zum Mähen für meinen Mann und mit viel Fläche zum Ein- und Ausbuddeln für mich. Schließlich sind wir beide Teamleiter, arbeiten jeweils 40 Stunden pro Woche, haben zwei Teenager mit viel Schulprogramm und einem prall gefüllten Freizeitkalender (und ohne eigenes Auto). Wir suchten kein Haus mit großem Garten, OBWOHL unser Alltag so durchgetaktet ist, sondern WEIL unser Alltag so durchgetaktet ist: als Ausgleich. Erde statt Excel. Im Garten gibt es keine E-Mails, keine Deadlines, keine Meetings. Nur Jahreszeiten. 

Und genau dieses Haus fanden wir. Mit vier Gärten auf einmal: einem Vor-, Vorder-, Hinter- und Wintergarten. Vier Projekte. Und ein Teich mittendrin.   

Was bisher geschah:

Im Herbst 2023 zogen wir in unser Haus, im Frühjahr legten wir im Garten los. All unsere Projekte werde ich Dir an dieser Stelle nach und nach vorstellen. 
  • Wie in unserem ersten Haus pflanzte ich gleich zu Beginn eine Doppelreihe Schneeballhortensien – sozusagen als Empfangskomitee – auf einer Länge von sechs Metern in unserem Vorgarten
  • Rund um den Goldfisch-Teich im Vordergarten schütteten wir neue, graue Steine auf den vorhandenen Buntkiesel
  • Mein Mann begradigte die Rasenfläche im Hintergarten mit einem selbstgebauten Pflug
  • Und konstruierte eigenhändig einen XXL-DIY-Holzunterstand
  • Wir bauten ein doppeltüriges Zweiraum-Gartenhaus im skandinavischen Stil 
  • Legten Gemüse-Flachbeete in einem eigens abgegrenzten Bereich an
  • Und machten im Vordergarten unseren Pavillon mit frischer Farbe und einem neuen Boden wieder flott
  •  Pflanzten eine Ligusterhecke als Sichtschutz zum Nachbarn
  • Sorgten für eine neue Gartenbeleuchtung
  • Hoben einen zweiten Teich aus für unsere beiden Kois Sushi und Wasabi
  • Setzten meine Lieblingspflanzen: Funkien, Hortensien, Buxbäume und Gräser überall dort, wo kein Rasen wächst
  • Fassten Beete mit Steinen ein
  • Fanden einen schönen Platz für den Apfelbaum, den ich zum Geburtstag bekam
  • Und für den Jasmin-Strauch, der uns an unsere Hochzeit erinnert
  • Lichteten Bäume, Sträucher und vor allem: die wuchernde Bambushecke aus
  • Und verbrachten schließlich bereits einige Marshmallow-Abende rund um unsere eigenhändig neu gestaltete Feuerstelle. 
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Was noch geschehen wird:

  • Unsere Terrassenmauer wird ein Upgrade erhalten
  • Im Hintergarten soll eine überdachte Terrasse entstehen
  • Mit einer DIY Outdoorküche für meinen Mann
  • Die derzeit noch flachen Beete sollen höher und bald frisch bestückt werden
  • Die Reihe der Ligusterhecke wird fortgesetzt
  • Ich werde meine ersten Himbeeren ernten und auf der Stelle naschen
  • Und Tomaten, Süßkartoffeln, Paprika und unter anderem Bärlauch, die ich selbst im Wintergarten vorziehe, in die Erde setzen. Und dann mich in einen Liegestuhl daneben.
Ich habe gehört, dass Gelassenheit der beste Dünger sei. Und genau da setze ich in diesem Frühling an.

5 Tipps für mehr Gelassenheit bei der Gartenplanung:

1. Erst beobachten, dann graben: 

    • Wo ist morgens Sonne, wo bleibt es lange schattig?
    • Welche Pflanzen fühlen sich bereits wohl? Welche Pflanzen sollten umgesetzt werden?

Nimm Dir ein paar Tage (oder Wochen), um Deinen Garten bewusst zu beobachten.

2. In kleinen Etappen planen:

  • Der größte Stress entsteht, wenn wir alles auf einmal wollen
  • Plane lieber ein Beet pro Saison, eine Sitzecke pro Jahr, ein Projekt pro Monat (haha, haben wir bisher komplett falsch gemacht ;-))

Ein Garten ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit kleinen Etappensiegen.

3. Pflanzen passend zum Standort wählen:

  • Frage Dich: Sonnig oder schattig? Trockener oder feuchter Boden?

Wer standortgerecht pflanzt, arbeitet mit der Natur. Und das spart nicht nur Arbeit, sondern auch Nerven.

4. Imperfektion zulassen:

Nicht jede Ecke muss aussehen wie aus dem Katalog. Ein bisschen Wildheit:
  • lockt Insekten und Vögel an
  • bringt Lebendigkeit
  • nimmt Druck heraus

5. Sanfte Routine:

Statt einmal im Monat alles umzuwühlen, setze lieber auf eine sanfte Routine:
  • 15 Minuten Unkraut jäten
  • Ein fester Gießabend
  • Ein wöchentlicher Rundgang

Regelmäßige kleine Handgriffe verhindern große Frustaktionen.
Gelassenheit wächst – genau wie Dein Garten – durch Kontinuität. 

 

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Sobald die Sonne scheint, lege ich wieder los. Mein Garten weiß längst, was ihm jetzt blüht. In diesem Jahr werde ich besonders achtsam gärtnern: Die Beete wurden bereits informiert und zum Teil vorsorglich evakuiert. Wenn im Frühling alle um mich herum einen Vogel haben, werde ich – mit wütendem Spaten durch den Garten – Bäume ausreißen, mit Erde um mich schmeißen und das dann “ therapeutische Gartenarbeit“ nennen: Denn was erdet besser als ein Spatenstich? 😉

Macht es euch schön!
Herzliche Grüße
Sarah

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